Bache­lor­ar­beit: Vor­be­mes­sungs­ta­feln für Ver­bund­stüt­zen in Tiefgaragen

Wie groß muss eine Ver­bund­stütze in der Tief­ga­rage sein – und das, bevor die eigent­li­che Sta­tik beginnt? Genau diese Frage stellt sich Archi­tek­ten, Bau­trä­gern und Trag­werks­pla­nern in jeder frü­hen Ent­wurfs­phase. In sei­ner Bache­lor­ar­beit an der Hoch­schule Biber­ach hat unser Mit­ar­bei­ter Patrick Aumann dafür in Zusam­men­ar­beit mit der Inge­nieur­büro Ste­vens GmbH pra­xis­taug­li­che Vor­be­mes­sungs­ta­feln für Ver­bund­stüt­zen ent­wi­ckelt. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr.-Ing. Chris­tian Kulas (HBC) und B. Eng. Shpend Stevens.

Titel der Arbeit: „Ent­wick­lung von Vor­be­mes­sungs­ta­feln für Ver­bund­stüt­zen unter Berück­sich­ti­gung ver­schie­de­ner Ent­wurfs- und Belastungsfaktoren“

→ Direkt zum Online-Rech­ner für die Vorbemessung

Moti­va­tion: schnelle Quer­schnitte für Tiefgaragen

Im Wohn- und Geschoss­bau tra­gen Stüt­zen in Tief­ga­ra­gen und Unter­ge­schos­sen hohe Las­ten aus meh­re­ren Ober­ge­schos­sen ab. Gleich­zei­tig sol­len sie schlank sein, damit Stell­plätze und Fahr­gas­sen frei blei­ben, und sie müs­sen die Brand­schutz­an­for­de­run­gen erfül­len. Ver­bund­stüt­zen aus beton­ge­füll­ten Stahl­hohl­pro­fi­len ver­ei­nen bei­des. Ihre Bemes­sung ist jedoch auf­wen­dig. Ziel der Arbeit war des­halb ein Werk­zeug, mit dem sich in weni­gen Sekun­den ein belast­ba­rer Vor­be­mes­sungs­quer­schnitt able­sen lässt.

Bemes­sung nach Euro­code 4

Grund­lage ist die voll­stän­dige Ver­bund­wir­kung von Stahl und Beton. Die plas­ti­sche Nor­mal­kraft­trag­fä­hig­keit ergibt sich aus der Summe der Tra­g­an­teile von Stahl­pro­fil, Beton und Beton­stahl; für beton­ge­füllte Hohl­pro­file darf der Beton dabei voll ange­setzt wer­den. Für den Sta­bi­li­täts­nach­weis wird die effek­tive Bie­ge­stei­fig­keit EIeff = Ea·Ia + Es·Is + 0,6·Ec,eff·Ic berücksichtigt.

  • Kalt­be­mes­sung nach DIN EN 1994–1‑1 mit dem ver­ein­fach­ten Bemes­sungs­ver­fah­ren (Ersatz­stab­ver­fah­ren und Interaktionskurven)
  • Heiß­be­mes­sung nach DIN EN 1994–1‑2 für die Feu­er­wi­der­stands­klas­sen R 30, R 60 und R 90
  • Durch­stanz­nach­weis der anschlie­ßen­den Decken nach DIN EN 1992–1‑1 mit Natio­na­lem Anhang

Rand­be­din­gun­gen aus der Praxis

Stüt­zen­län­gen: Die Gara­gen­ver­ord­nung Baden-Würt­tem­berg for­dert eine lichte Höhe von min­des­tens 2,00 m. Pra­xis­üb­li­che Unter­ge­schosse lie­gen dar­über, die Ober­grenze wurde bei 2,75 m gesetzt. Unter­sucht wur­den daher lichte Höhen von 2,25 m, 2,50 m und 2,75 m.

Schnitt durch eine Tiefgarage mit lichten Höhen – Randbedingung Stützenlänge

Schnitt Tief­ga­rage: Die lichte Höhe bestimmt die Stüt­zen­länge (unter­sucht: 2,25 m, 2,50 m, 2,75 m).

Mate­ria­lien: Beton C30/37, Hüll­rohr S235, Ein­stell­pro­fil S355, Beton­stahl B500SA.

Las­ten: Bemes­sungs­nor­mal­kräfte von 400 bis 3.000 kN mit 80 % stän­di­gem und 20 % ver­än­der­li­chem Lastanteil.

Anschlüsse: Kopf- und Fuß­plat­ten mit schwind­ar­mem, selbst­ver­dich­ten­dem Ver­guss­mör­tel, Anschluss­dor­nen bzw. ‑ble­chen, Anker­stan­gen und ange­schweiß­ten Anschluss­plat­ten. Für das Durch­stan­zen wurde VEd mit 40 % der Bemes­sungs­nor­mal­kraft angesetzt.

Detail Verbundstütze QRO 200/300 mit Kopf- und Fußplatte und Vergussmörtel

Anschluss­de­tail der Ver­bund­stütze mit Kopf­platte Bl 400/500 und Vergussmörtel.

Die Berech­nun­gen erfolg­ten mit mb Work­Suite 2025 (Ver­bund­stüt­zen), der Würth Tech­ni­cal Soft­ware (Kopf­plat­ten) und der HDB-Soft­ware von Hal­fen (Durch­stan­zen).

Ergeb­nis: Vor­be­mes­sungs­ta­feln und Diagramme

Ent­stan­den sind zwei sich ergän­zende Werkzeuge:

  • Vor­be­mes­sungs­ta­bel­len – über­sicht­lich und schnell zu bedie­nen. Für jede Feu­er­wi­der­stands­klasse, lichte Höhe und Last­stufe lie­fern sie die erfor­der­li­che Beweh­rung bzw. das Ein­stell­pro­fil, die Kopf­plat­ten­di­cke und die Mindestdeckenstärke.
  • Vor­be­mes­sungs­dia­gramme – genau und ver­gleich­bar. Sie zei­gen die mög­li­che Knick­länge in Abhän­gig­keit von der Bemes­sungs­nor­mal­kraft für den Kalt­zu­stand sowie R 30, R 60 und R 90 und bil­den damit eine Grund­lage für Kalkulationen.

Vorbemessungstafel F30 für Verbundstützen – Bewehrung, Deckenstärke und Kopfplatte je Laststufe

Aus­zug Vor­be­mes­sungs­ta­fel F30: Beweh­rung bzw. Ein­stell­pro­fil, Min­dest­de­cken­stärke und Kopf­plat­ten­di­cke je Laststufe.


Vorbemessungsdiagramm Verbundstütze: Knicklänge über Bemessungsnormalkraft für kalt, R30, R60 und R90

Vor­be­mes­sungs­dia­gramm: mög­li­che Knick­länge in Abhän­gig­keit von der Bemes­sungs­nor­mal­kraft NEd (Hüll­rohr 200×300×10 S235, Ein­stell­pro­fil HEB 140 S355, Beton C30/37).

Zur ein­fa­chen Anwen­dung wur­den die Tabel­len zusätz­lich als HTML-Rech­ner umge­setzt – die­sen stel­len wir hier kos­ten­frei zur Verfügung:

→ Online-Vor­be­mes­sung Ver­bund­stütze öffnen

Fazit

Die Arbeit lie­fert eine ein­fa­che und prak­ti­ka­ble Vor­be­mes­sung für Ver­bund­stüt­zen in Tief­ga­ra­gen, hin­ter der sehr umfang­rei­che Berech­nun­gen ste­hen. Für uns als Inge­nieur­büro für Trag­werks­pla­nung in Ravens­burg ist sie ein gutes Bei­spiel dafür, wie Hoch­schule und Pra­xis von­ein­an­der pro­fi­tie­ren. Herz­li­chen Dank an Patrick Aumann für diese pra­xis­ori­en­tierte Arbeit!

Hin­weis: Vor­be­mes­sungs­werte erset­zen kei­nen prüf­fä­hi­gen Stand­si­cher­heits­nach­weis. Sie pla­nen eine Tief­ga­rage oder ein Bau­vor­ha­ben mit Ver­bund­stüt­zen? Spre­chen Sie uns an – wir über­neh­men die Trag­werks­pla­nung von der Vor­be­mes­sung bis zur Ausführungsstatik.

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